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Literatur / Bücher


Agatha Christie: Erinnerungen an glückliche Tage
ua
Scherz Verlag, 3. Aufl., 2000, 224 S., geb. Ausg. 9,90 Euro

Eine ganz andere Agatha Christie begegnet uns hier: eine Frau, die trotz ihres viktorianischen Umfeldes (geboren 1890) einen Sinn für Toleranz hat, der weit über das hinausgeht, was sonst bei Orientreisenden Anfang des 20. Jahrhunderts üblich war. Für Agatha Christie ist Syrien eine faszinierende Landschaft, die einerseits ihre Reize, andererseits aber auch ihre Schattenseiten hat. Ebenso sind die Menschen nicht alle freundlich, hilfsbereit und gastfreundlich sondern es gibt auch schlitzohrige, gierige, arbeitsscheue, laute, unbequeme wie eben überall auf der Welt.
Die "Erinnerungen" beschreiben eine Reise mit ihrem zweiten Mann, dem Archäologen Max Mallowan, von London durch Europa mit dem Zug und schließlich mit dem Auto bis zu den endgültigen Grabungsstätten. Wie lebten die Menschen dort früher, wie leben die Syrer dort heute und wie leben die Archäologen dort, wenn sie sich für eine bestimmte Zeit dort einrichten. Mit welchen kulturellen Unterschieden werden sie konfrontiert, wie kommen sie dennoch zu einer Einigung, wenn es Missverständnisse oder Probleme gibt. Das alles schildert Agatha Christie humorvoll und nicht ohne Selbstironie.
Dennoch verklärt Christie nichts, sieht die positiven Aspekte genauso wie die negativen, verurteilt aber niemals, wertet nicht. Leicht plätschert ihre Erzählung dahin und dennoch verwöhnt Christie den Leser mit einem exquisiten Sprachstil. Ihre Sprache ist einfach, blütenreich, fast viktorianisch zu nennen, bildhaft.

"Erschöpft verlassen wir das Postamt und kehren zu unserem Zeltplatz am Fluss zurück, den wir etwas entfernt vom Staub und Schmutz von Hassatché ausgesucht haben. Uns grüßt ein trauervoller Anblick. Den Kopf in den Händen vergraben sitzt 'Isa, unser Koch, vor dem Küchenzelt und heult.
Was ist denn passiert?
Großes Wehgeschrei. "Schande über mich. Jungen haben mich eingekreist und verspottet. Meine Ehre ist weg!" Als er einen Augenblick nicht aufpasste, haben Hunde das fertig gekochte Nachtmahl gefressen. Es ist nur noch etwas Reis übrig geblieben.
Verdrossen essen wir den Reis ohne alle Zutaten, während Hamoudi, Aristide und Abdullah dem armen 'Isa einbläuen, eines Koches erste Pflicht sei es, sich mit ungeteilter Aufmerksamkeit der Zubereitung des Essens zu widmen, bis dieses wohlbehalten serviert ist.
'Isa klagt, dass er sich seiner Aufgabe nicht gewachsen fühle. "Ich bin nie im Leben Koch gewesen ("Das erklärt vieles", bemerkt Max) und viel lieber möchte ich in einer Garage arbeiten. Sie können mich doch als erstklassischen Fahrer empfehlen?" wendet er sich an meinen Mann.
Max lehnt entschieden ab, da er ihn nie fahren sah.
"Aber", insistiert 'Isa, "an einem kalten Morgen habe ich den Motor der Dicken Mary angekurbelt. Das haben Sie doch gesehen?"
Max gibt es zu.
"Dann können Sie mich auch empfehlen."

Eine ganz andere Agatha Christie, die Lust auf Lesen macht, auf gepflegte Sprache, die man lesen sollte, wenn man sich mit dem Vorderen Orient und speziell mit Syrien befasst.


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