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Interview mit Dr. Haifa Al-Yafi, Gattin des Botschafters des Königreichs Saudi-Arabien
Das Gespräch führte Barbara Schumacher,
Fotos: Barbara Schumacher
Sie ist als engagierte Journalistin, Chefredakteurin
und Schriftstellerin bekannt und in ihrer Sozialpraxis
in Jeddah hat sie das Ohr am "Puls" der Sozial-
und Gesellschaftspolitik des Landes. |

Dr. Haifa Al-Yafi |
"Wie waren Ihre Kindheit und Jugend?"
"Ich bin ziemlich allein aufgewachsen, denn mit 6 Jahren schickten mich meine Eltern, die aus Jeddah stammen, nach Kairo, weil ich dort - bei einer Tante wohnend - bis zur neunten Klasse die beste Schulbildung, vor allem im Hinblick auf Englisch und Arabisch bekommen sollte. Ich habe dadurch früh gelernt, einerseits sehr offen zu sein, aber andererseits auch durchaus konservativ zu denken. Wichtig ist mir, die Freiheit der anderen zu respektieren. Meine Mutter war 14 Jahre alt, als ich zur Welt kam und ich selbst habe mit 17 geheiratet", so Dr. Haifa Al-Yafi in perfektem Deutsch, das von einem früheren, 14 Jahre langen Aufenthalt in Bayern stammt. "Auch mein Mann, seit Juli 2004 als Botschafter in Berlin akkreditiert, spricht ausgezeichnet Deutsch. Er ist Professor und Facharzt für innere Medizin, er war Dekan an der King Abdulaziz Universität in Jeddah, dann Präsident dieser Universität, acht Jahre lang Gesundheitsminister und ein Jahr Berater des Königs, bevor er zum ersten Mal zum Botschafter Saudi Arabiens ernannt wurde."
"Wo und was haben Sie studiert und welche Tätigkeit nahmen Sie nach dem Studium auf?"
"Mein Universitätsstudium schloss ich in Jeddah mit dem Magister als Soziologin ab und arbeitete dann 20 Jahre im Civil Service Büro der Universität im Bereich der studentischen Arbeitsvermittlung, wobei meine Aufgabe darin bestand, ganz allein auf diesem Posten, den Studentinnen der Universität nach Studienabschluss und Prüfung der Diplome/Zeugnisse je nach Eignung z. B. Positionen als Lehrerinnen an den staatlichen Schulen oder als Schwestern in Krankenhäusern zu vermitteln. An den staatlichen Universitäten bekommt jeder Studierende 800-1000 Rial als Studienbeihilfe, das sind ungefähr 300 Euro pro Monat. Parallel zu meiner Tätigkeit an der Universität habe ich weiterstudiert und mich abends freiwillig für wohltätige Zwecke eingesetzt, indem ich z. B. für die Betreuung von Waisenkindern finanzielle Mittel und Essen beschaffte. Aus dieser Arbeit ist mein Wunsch entstanden, armen Menschen, vor allem Kindern zu helfen. Ich fand es immer besonders anrührend, wenn mir auf ein entsprechendes Angebot Kinder sagten, sie wollten nichts gekauft haben, sondern stattdessen lieber in den Arm genommen werden. Ich habe sehr oft die ärmsten der Armen mit nach Hause genommen, um ihnen Wärme und Geborgenheit in häuslicher Umgebung zu geben."
"Wie gestaltet sich Ihre journalistische Tätigkeit?"
"Ich schreibe für die Tageszeitung OKAZ, deren Redaktion sich in Jeddah befindet, jede Woche einen Beitrag - Gedichte, philosophische Abhandlungen oder aktuelle Themen, wie z. B. über die Probleme der Mädchen in den Schulen. Die Mädchen müssen nämlich mehr lernen als die Jungen und sie sind auch tüchtiger als die Jungen, denn sie haben nichts anderes zu tun, als lernen, lernen, lernen. Bei meinen mehr philosophisch behandelten Themen geht es z. B. um Probleme zwischen Eheleuten. In der orientalischen Gesellschaft darf man nicht alle Gefühle zeigen und sich nicht alles sagen. Die Frauen möchten gern etwas Liebes von ihren Männern hören und ich gebe ihnen den Rat, dass sie in dieser Hinsicht nicht zu schüchtern sein sollten. Und wenn der Mann nicht wie gewünscht reagiert, dann rate ich den Frauen, das "wegzustecken" und trotzdem besonders nett zu ihrem Mann zu sein. Ich schreibe auch regelmäßig Geschichten für ein Magazin mit dem Namen "Alle Leute". Es erscheint einmal pro Woche und ist in etwa mit der deutschen Zeitschrift "Bunte" zu vergleichen. Hier ist ein Beispiel solch einer Geschichte: Fatima ist in Mohammed verliebt, sie wohnen in verschiedenen Städten und das war auch ein Grund, nicht zu heiraten. Beide haben jeweils andere Partner geheiratet. Als der Ehemann von Fatima starb, hat Mohammed sie geheiratet, wozu die erste Frau Mohammeds ihn sogar ermutigt hat: "Wenn du verliebt bist, dann heirate Fatima". Sie wollte, dass ihr Mann glücklich ist. Ihre Bitte war, dass Fatima im Haus ihres Mannes wohnen sollte, damit sie ihn weiterhin sehen konnte. Als also Mohammed und Fatima in ihr Haus kamen, fanden sie ein von ihr schön geschmücktes Zimmer vor. Die ganze Nacht horchte sie an der Tür des Zimmers und war am nächsten Morgen tot vor Schmerz. - Neben meiner journalistischen und schriftstellerischen Tätigkeit führe ich nachmittags meine Sozialpraxis. Meist werden Eheprobleme behandelt, z. B.: Soll man trotz dauernder Unstimmigkeiten zusammenbleiben? Oft geht es um Kindererziehung oder Probleme aus dem Arbeitsleben, wenn die Männer keine Zeit für ihre Familien haben oder der Chef als ungerecht empfunden wird."
"Wie ist die berufliche Situation der Frauen in Saudi-Arabien?"
"Viele Frauen haben eine Universitätsausbildung, viele haben promoviert, sie spielen eine wichtige Rolle im öffentlichen Leben und sie haben verantwortungsvolle Positionen, oft auch Führungspositionen z. B. in Banken und bei Ölfirmen. Im Parlament sind seit einigen Jahren Frauen vertreten. 30 % der Angestellten sind Frauen. An den Universitäten gibt es viele Professorinnen. Frauen und Männer bekommen für gleiche Arbeit gleiches Gehalt. Seit fast 20 Jahren gibt es im Land sogar Banken nur für Frauen. Die Rückstellungen bei den Banken betragen allein für die Frauen etwa 25 Mrd. US $. In den letzten Jahren beobachten wir z. B., dass sich mehr Frauen als Männer in den Zeitungen und Zeitschriften artikulieren."
"Wie sieht ein "normaler" Arbeitstag in Jeddah aus?"
"Ich mache morgens meinen Haushalt und arbeite von 17-22 Uhr in der Praxis. Danach treffe ich mich für etwa 2 Stunden mit Freundinnen. Wenn ich wieder zu Hause bin, schreibe ich. Mit meiner Familie, insbesondere meinem Bruder und meinen Neffen spiele ich Basketball und schwimme, wir haben dazu bei uns zu Hause Gelegenheit. Wenn ich entspanne, hilft mir dabei Musik von Mozart, er ist mein Lieblingskomponist, aber auch Bach, Chopin und Wagner höre ich gern - und alte, arabische Musik. Ich engagiere mich für die Malerei und habe das "Jeddah Atelier" für saudische Kunstmaler gegründet."
"Gibt es neue Projekte/Entwicklungen?"
"Mein Buch "Wellen ohne Erinnerung" - Gedichte, die im Zusammenhang mit aktuellen, sozialen Ereignissen stehen - ist erschienen und ich wurde zur Chefredakteurin einer neuen Monatszeitschrift namens "Golf Sterne" gewählt, die sich mit Kultur und neuen schöpferischen Leistungen beschäftigt".
"Welche Entwicklungen in Saudi Arabien beschäftigen Sie derzeit am meisten?"
"Die fortschreitende Entwicklung der wachsenden Rolle der saudischen Frau in der Gesellschaft ist zur Zeit zu bewundern, da sie rasch fortschreitet. Dies hat mich dazu veranlasst, daran teilzunehmen und konstruktive Vorschläge zu machen, damit das Tempo der Entwicklung nicht nachlässt und die Entwicklung in die richtigen Bahnen geleitet wird".
"Haben Sie einen Plan für die Zukunft?"
"Ja, ich möchte gern in Saudi Arabien moderne und gesunde Altenheime errichten, sowohl für reiche, als auch für arme Menschen. Dabei stelle ich mir vor, dass die Reichen durch ihre Zahlungen die Armen unterstützen. Ich habe das starke Bedürfnis zum sozialen Engagement und möchte den Menschen helfen. Ich glaube fest daran, dass Liebe alle Probleme löst und Hass und Terrorismus überwinden hilft." |
"Haben Sie einen Wunsch?"
"Ich würde mich freuen, mehr über die soziale Entwicklung in der Bundesrepublik Deutschland zu erfahren, da Deutschland das erste und beste Land ist, das sich mit sozialen Problemen beschäftigt und diese zu einem großen Teil überwunden hat. Ich würde mir wünschen, Namen und Anschriften solcher Institutionen, die sich mit sozialen Problemen in Deutschland befassen, zu erhalten." |

Dr. Haifa Al-Yafi mit Mitgliedern
der Muslim Women Group |
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